Dienstag 20.10.09
No.9:
FLURIN BISIG (Skulptur)

Flurin Bisig, Ohne Titel (kleine Konstruktion, hängend), Holz, Aluschiene, teilweise bemalt, 250 × 50 × 40 cm, 2009
Skulptur als Ergebnis eines empirische Prozesses
Ich hatte als Schreiber sehr selten das Gefühl Worte sind in der Annährung, Eingrenzung von Kunst so überflüssig wie bei dem skulpturalen Werk von Flurin Bisig. Das liegt nicht an meinem fehlenden Zugang, sondern am Wesen der Arbeiten in ihrer Gesamtheit betrachtet. Dennoch werde ich versuchen, einige Dinge darzulegen.
Um es kurz negativ auszudrücken: die Arbeit wird nicht aus einer vorher feststehenden Idee konzipiert und aus einem einheitlichen Material erarbeitet. Sie setzt sich höchstens beiläufig mit gesellschaftlichen Problemfeldern auseinander. Sie arbeitet nicht mit neuen Medien. Sie ist nicht ortspezifisch oder fest installiert.
Um es einmal lang positiv auszudrücken: Die grundsätzliche Idee ist das Vertrauen in die Empirie. Die gründliche Entwicklung durch real gemachte Erfahrung und die Erkenntnis daraus. Das hat diese Folgen: Als Ausgangsmaterial kann vieles fungieren: Gefundenes, Gekauftes oder Gebautes, also künstlich Hergestelltes oder natürlich Entstandenes. Die Art, die Form und die Größe spielt erstmal eine untergeordnete Rolle, alles kann zur Verwendung gelangen. Man kann es teilen, umbauen, zusammenfügen, hinstellen oder aufhängen. Die Oberflächen schleift oder lackiert man am besten, man könnte sie natürlich auch abnehmen oder einpacken. Als Farbträger kann da alles dienen, was eine Farbe hat, also alles. Die einzelnen Elemente kann man beliebig kombinieren, so entsteht irgendwann die Gesamtform. Der Sockel kann dabei mit zur Skulptur werden oder ihr zurückhaltender Träger, oder Beides. Er kann auch völlig wegfallen. Die Formensprache kann sich aus Fundus der Kunstgeschichte speisen oder auch nicht. Wenn sie es tut, kann das auf ernsthafte oder ironisierende Art geschehen.
Diese allgemeine Offenheit in der Wahl und im Umgang mit dem Material führt keineswegs zu unentschlossenen, schwachen Arbeiten. Vielmehr wird sich durch diesen langen Prozess, unter genauem Hinsehen und Probieren das Material zum ausgestellten, tief hinterfragtem Objekt verdichtet haben. Dieses Objekt wird bleiben oder verändert, an anderer Stelle wieder auftauchen. Das entspannte, sehr bewusste Vertrauen in diese Offenheit, welches so unzeitgemäß erscheinen mag, da vielerorts mit geschlossener Konzeption nach länger haltbarem Sinn gefahndet wird; ist Leitmotiv von Flurin Bisig, und macht die Qualität seiner Arbeiten aus. “Taken for Stranger“ stellt sie in Ausgabe No. 9 vor.

Flurin Bisig, Ohne Titel (kleine Konstruktion, hängend), Holz, Aluschiene, teilweise bemalt, 250 × 50 × 40 cm, 2009

Flurin Bisig, Ohne Titel, Holz, Eisengitter, Draht, teilweise bemalt 47 × 155 × 37 cm, 2009

Flurin Bisig, Ohne Titel, Holz, Stahl, Draht, teilweise bemalt 150 × 200 × 60 cm, 2009

Flurin Bisig, Ohne Titel, Holz, Stahl, Draht, teilweise bemalt 150 × 200 × 60 cm, 2009
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